Zum Kicken nach Katar

Im Emirat wächst das Fußball-Fieber

Wenn heutzutage die Worte „Fußball“ und „Katar“ in einem Satz fallen, geht es meist um das Emirat als Austragungsort der Fußball Weltmeisterschaft FIFA World Cup 2022. Als ernst zu nehmende Fußball-Nation ist Katar noch wenigen bekannt. Das könnte sich in den nächsten Jahren ändern. Denn während die  europäischen Fußball-Nationen sich auf einer Tradition ausruhen, die einige Jahrzehnte früher begann, greift in dem kleinen Land am Persischen Golf die Fußball-Begeisterung um sich. Und sie trifft auf eines der professionellsten Talent-Förderungsprogramme, die es derzeit weltweit gibt.

Die aufstrebende Sportnation
Ihren Ort findet die Spitzenförderung in der Aspire Academy. Das englische „aspire“ – aufstreben –  macht den Anspruch der jungen Sportnation deutlich. Von den Temperaturen, die oft als Kritikpunkt herhalten müssen, ist keine Spur, wenn die rund 300 Fußball-Talente im Aspire Dome mit dem Ball am Fuß trainieren. Komplett klimatisiert, bietet die weltgrößte Indoor-Sportanlage auf 290.000 Quadratmetern überdachter Fläche modernste Voraussetzungen. Da versteht es sich fast von selbst, dass als Ausbilder auch die besten Coaches aus aller Welt nach Katar kommen. Generaldirektor der Aspire Academy, ist Ivan Bravo, der sich ehemals für die strategische Planung bei Real Madrid verantwortlich zeigte. Fußball ist ein erklärter Schwerpunkt der Academy. Förderprogramme existieren jedoch in unterschiedlichsten Disziplinen. Auch ein Programm zur Ausbildung internationaler Nachwuchs-Fußballer, viele davon aus Afrika, unterhält die Aspire Academy. Der Vorwurf, damit Talente in die eigene Nationalmannschaft zu holen, entfällt. Keiner der Kicker spielte jemals für Katar – über 90% dagegen spielen in ihren eigenen Nationalauswahlen.

Schon kurz nach Aufnahme des Programms der Aspire Academy 2004, schrieb die FAZ, dass Katar in den Startlöchern steht  „mit einer Nachwuchsförderung, deren Ausmaße ihresgleichen sucht“. In der Aspire Academy blickt man stolz auf den bisher größten Erfolg: den Gewinn der U-19 Asienmeisterschaft 2014. Alle 24 Spieler im Kader wurden in Katar geboren. Und 100 % von ihnen sind oder waren Teil der Aspire Academy in diesem denkwürdigen Moment, in dem Katar den Siegtreffer gegen Korea erzielte.

Erfolg als Zugpferd
Aber auch als Breitensport gewinnt Fußball immer mehr an Bedeutung. In der Saison 2013/14 waren knapp 6.000 Kataris in Fußballvereinen organisiert, wie offizielle Stellen erfassten. Zwei von drei Spielern davon sind unter 16. Nimmt man Deutschland als Vergleich, ist nur einer von drei Spielern unter 16. Auch wenn derzeit also mit 8,5 % laut DFB mehr Deutsche in Fußballvereinen spielen als Kataris (noch unter 1 %), könnten sich die Verhältnisse bald ändern. Denn auf Katars Trainingsfeldern wächst eine Jugend heran, die die fehlenden Jahrzehnte an Tradition mit großer Begeisterung und idealen Bedingungen wettmacht.

Vom Ölfeld zum WM Station
Nachdem sich der Fußball im 19. Jahrhundert von England aus in Europa verbreitete, kam er schließlich auch in fernere Gegenden der Welt. Seinen Weg nach Katar fand er ursprünglich über Arbeiter in den Ölfeldern, die die Leidenschaft Ende der 1940er Jahre mitbrachten. 1950 wurde das erste Fußball-Team des Landes gegründet, 1951 das erste Turnier des Landes gespielt und 1960 wurde die Qatar Football Association (QFA) ins Leben gerufen. Genau 60 Jahre nachdem das deutsche Pendant, der Deutsche Fußball Bund (DFB), gegründet wurde. Fußball in Katar nahm also eine Entwicklung, wie sie überall in der Welt stattfand, nur etwas später als in Europa.

Der FIFA World Cup 2022 als Meilenstein
Was bedeutet die WM im eigenen Land für die Bevölkerung? Schon jetzt berichten Besucher von dem hohen Stellenwert, den die Fußball-Weltmeisterschaft FIFA World Cup 2022 für die Kataris hat. Ob aus Fußball-Begeisterung oder unter dem positivem Eindruck der internationalen Aufmerksamkeit, katarische Gesprächspartner reagieren mit Stolz auf die anstehende WM. Dass die damit verbundenen Aufgaben halbherzig angegangen werden, ob in sportlicher Hinsicht oder in der Rolle als Gastgeber eines internationalen Events, lässt sich derzeit nicht feststellen. Im Gegenteil, schon jetzt formuliert die Aspire Academy deutlich die zeitliche Ausrichtung des ersten Meilensteins der Talentförderung im Fußball: 2022.

Bis dahin schauen die jungen Talente voller Begeisterung auf die Clubs, mit denen ihr Land ohnehin schon verbunden wird. Alleiniger Eigentümer von Paris Saint Germain beispielsweise ist seit 2012  Qatar Sports Investments. Auch Bayern München hat seit 2016 einen Sponsoring-Vertrag mit Dohas Hamad International Airport und auf der Brust der Spieler des FC Barcelona prangt das Logo von Qatar Airways.

Quellen:
Ministry of Development and Planning / Sports Chapter (Anzahl Athleten)
DFB Statistik
Quelle FAZ Artikel (Zitat Nachwuchsförderung)
Quelle Gewinn der Asienmeisterschaft U-19


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