Vom Wüstensand zum Wolkenkratzer

Die moderne Skyline wächst gemeinsam mit Katar

Wer heute als Reisender in Katars Hauptstadt Doha ankommt, vor dem erhebt sich eine der modernsten Skylines der Welt. Besucher flanieren auf der geschwungenen Strandpromenade Doha Corniche über sieben Kilometer vor Gebäuden entlang, die das moderne Stadtbild prägen. Und noch immer ist an vielen Orten der Anblick von Baukränen allgegenwärtig. Katar entwickelt sich in einem rasanten Tempo. Ändern wird sich dies in den nächsten Jahren nicht. Denn das Emirat am Persischen Golf verfolgt eine Strategie zur Umstrukturierung der Wirtschaft, die maßgeblich auf den Tourismus als nachhaltige Ressource setzt. Festgelegt ist dieser geplante Wandel in der „Vision 2030“, mit der Katar seine wirtschaftliche Unabhängigkeit vom Erdgas einleitet.

islamic-museum-and-skylineEin Magnet für Menschen
Die Wandlung, die das Emirat innerhalb kürzester Zeit durchmachte, ist für europäische Verhältnisse schwer vorstellbar. Erst im Juni 2016 gab das Ministerium für Entwicklungsplanung und Statistik die Zahl von aktuell rund 2,5 Millionen Einwohnern Katars heraus. Damit hat sich die Bevölkerungszahl seit dem Jahr 1904, zu dem der Zensus von 27.000  Einwohnern ausging verhundertfacht. Die rasante Entwicklung der Bevölkerung und des gesamten Emirats wurde vor allem durch den Reichtum an Gasreserven befeuert, die in den 70er Jahren entdeckt wurden. Vor diesem Hintergrund erscheint es kaum verwunderlich, dass sich in den letzten Jahrzehnten gemeinsam mit den Bevölkerungszahlen auch die Skyline von Doha entwickelt hat. Allein in den vergangenen 30 Jahren hat Katar 2 Millionen zusätzliche Einwohner begrüßt. Die Hauptstadt Doha ist aktuell Heimatstadt von rund 1,5 Millionen Menschen – dem Großteil der Einwohner des Landes. Schon jetzt ist Doha eine der modernsten Metropolen der Welt. Bereits 2012 wurde Doha unter die Top 10 aufstrebenden Städte in Sachen zukunftsfähiger Nachhaltigkeit gewählt.

people_qatar4Handelsblüte in der Wüstenhitze
Diese Entwicklung der Stadt wurde im Wortsinne der Wüste abgetrotzt. Die Halbinsel im Persischen Golf, über die das Staatsgebiet Katars sich erstreckt, wird von heißem Wüstenklima dominiert. Den Sommer über halten sich Durchschnittstemperaturen von über 40 °C, Regen fällt so gut wie gar nicht, dafür ist die Luftfeuchtigkeit häufig sehr hoch. Das erklärt die rastlose Geschichte der Bewohner der katarischen Halbinsel.

Beduinenstämme zogen um 1760 in das Gebiet des heutigen Katars. Erste dauerhafte Siedlungen entstanden vor allem in den Küstengebieten als Handelsstützpunkte. Die im Hafen von Doha noch immer präsenten traditionellen Boote, sogenannte Dhaus, werden heute zu malerischen Rundfahrten für Touristen genutzt. Sie vermitteln aber noch einen Eindruck von dem regen Handel, der im Persischen Golf vor Jahrhunderten blühte. Die Handelsroute zwischen Ost und West und der damit einhergehende Wohlstand begünstigten die dauerhaften Siedlungen an Katars heutiger Küste. Vor allem der Fischfang und die Perlentaucherei bildeten die wirtschaftliche Grundlage der frühen sesshaften Bewohner der katarischen Halbinsel.

Natürliche Ressourcen ermöglichen eine neue Blüte
Die neuere Geschichte ist häufig auch Erst-Besuchern des Landes ein Begriff. Traditionelle Wirtschaftszweige verloren im 20. Jahrhundert an Bedeutung. Mit dem Aufkommen der Zuchtperlen schließlich bildete auch der Beruf des Perlentauchers, keine ausreichende Lebensgrundlage mehr. Schrittweise verbessert hat sich die wirtschaftliche Grundlage der Kataris mit dem ersten Erschließen von Erdölfeldern 1939 und schließlich der Entdeckung des weltgrößten Erdgasfeldes, dem North Gas Field, 1971. Der Rest ist Geschichte: Diese natürlichen Vorkommen machten Katar innerhalb kürzester Zeit zum Staat mit dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen weltweit (2015 laut der Weltbank rund 125.000 Euro). Wirtschaftswachstum, Bauboom und der Zustrom von Arbeitskräften setzten eine Spirale in Gang, die dazu führte, dass Katars Hauptstadt Doha sich in Rekordgeschwindigkeit zu einer modernen Metropole wandelte.

hamad-international-airportEin internationales Drehkreuz entsteht
Teile der Wüste werden auch weiterhin in Lebensräume umgewandelt. Denn im Einklang mit der nationalen Vision 2030, die die Neustrukturierung des Wirtschaftssystems vorsieht, wird sich Katar zu einem internationalen Gastgeber von Spitzenrang entwickeln. Großereignisse in Kultur, Sport, Politik und Wirtschaft werden neue Ströme von Touristen und Geschäftsreisenden anziehen. All das erfordert weitere Bauprojekte, um für Unterbringung und Transport dieser Besucher zu sorgen. Auch die nötige Infrastruktur für die Unterhaltung vor Ort wird in den nächsten Jahren weiter ausgebaut werden. Allein der Hamad International Airport stößt rund 2 Jahre nach seiner Eröffnung bereits an Kapazitätsgrenzen und wird erweitert. Eventlocations, Museen, Shopping-Malls und Restaurants entstehen ebenso wie Straßen, Brücken und ganze Stadtviertel. Prestigeträchtige Bauprojekte sorgen auch für internationale Aufmerksamkeit. Die künstliche Insel „The Pearl“, die einen ganzen Stadtteil beheimatet, ist weit über Katars Landesgrenzen hinaus bekannt.

Umfassende Infrastruktur-Projekte tragen der zukünftigen Rolle Katars als internationales Drehkreuz Rechnung. Darunter der im Bau befindliche Industriehafen oder der 2014 eröffnete Hamad International Airport, der bereits auf das aktuell größte Verkehrsflugzeug überhaupt ausgelegt ist, die Boing A380. Architektonische Aushängeschilder werden von internationalen Stars der Gebäudekunst entworfen. So schuf den Neubau des Nationalmuseums Katar kein Geringerer als der Franzose Jean Nouvel. Für die neue Heimat der Nationalbibliothek wird aktuell nach Entwürfen des niederländischen Star-Architekten Rem Koolhaas gebaut.

Die Faszination der Wüste
Dennoch spielt sich längst nicht alles in Gebäuden ab, was in Katar für Begeisterung sorgt. Der Ausflug in die Wüste hat in der modernen Welt Dohas nichts an Faszination verloren. Auch Strandtage gehören zu den Freuden, die das winterlich milde Klima zu bieten hat. Ähnlich wie der kontinentale Winter in Europa das Leben nach Innen verlagert, sorgen in Katar die heißen Sommer für eine Konzentration vieler Outdoor-Aktivitäten in der Winter-Saison. Auch wenn bereits modernste Technologien im Einsatz sind, die für Kühlung auch bei Open-Air Veranstaltungen sorgen.

Nach wie vor erfreuen sich Traditionen unter freiem Himmel wie das Kamelrennen oder der Pferdesport ungebrochener Begeisterung. Längst aber sind auch bei Aktivitäten, die schon lange für Begeisterung unter den  Wüstenbewohnern sorgen, die Bedingungen in Katar unter den modernsten der Welt. So ist das staatliche Pferde-Gestüt Al-Shaqab beispielsweise eine Art High-Tech Version europäischer Gestüte. Pferde werden hier unter optimalen Bedingungen gezüchtet und trainiert.

Die Moderne kam innerhalb kürzester Zeit in das Emirat Katar. Jetzt baut das Land an einer neuen Zukunft. Mitten in der Wüste. Wirtschaftlich, gesellschaftlich und – architektonisch.

Quellen:
Qatar National Tourism Strategy
Qatar National Development Strategy
Qatar Census
Qatar Ministry of Development Planning and Statistics (Gesamtbevölkerung)
Al-Shaqab

Bildmaterialien:
qatartourism.gov.qa


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